Eignung der Flächen
Welche landwirtschaftlichen Flächen eignen sich besonders gut für Agri‑PV, und gibt es Kulturen, die besonders davon profitieren?
Nobis: “Grundsätzlich eignen sich Flächen, bei denen die landwirtschaftliche Nutzung langfristig im Vordergrund stehen soll und auf denen Klimaextreme wie Hitze und Trockenheit zunehmend eine Rolle spielen.
Agri-PV lässt sich technisch mit den meisten Kulturen kombinieren, vorausgesetzt, das System wird passend geplant. Wichtig ist jedoch, dass nicht jede Kultur automatisch profitiert automatisch. Besonders geeignet sind schattentolerantere oder hitzesensible Pflanzen wie Kartoffeln, Blattgemüse beispielsweise Salat oder Spinat, verschiedene Kohlarten, Gräser- und Kleemischungen sowie Winterweizen oder Raps. Sie können durch die Teilbeschattung deutlich gewinnen.
Lichtliebende Kulturen wie Mais, Hirse oder Zuckerrohr benötigen hingegen eine angepasste, geringere Moduldichte.
Entscheidend ist immer die individuelle Betrachtung des Betriebs. Bodenverhältnisse, Klima angebaute Ackerpflanzen und Maschinenpark bestimmen maßgeblich, wie eine Agri-PV sinnvoll umgesetzt werden kann.”
Ertrag & Wirtschaftlichkeit
Wie wirkt sich Agri‑PV auf die Erträge meiner Kulturen aus, und welche zusätzlichen Einnahmen kann ich durch den Stromverkauf erwarten?
Nobis: “Agri-PV verbindet Landwirtschaft und Energieerzeugung sinnvoll miteinander.
Aus landwirtschaftlicher Sicht zeigen sich oft stabilere Erträge, insbesondere in heißen oder trockenen Jahren. Die Teilbeschattung reduziert Stress und kann so zu mehr Ertragssicherheit führen. Gleichzeitig gilt, dass eine ungünstige Auslegung auch zu Ertragseinbußen führen kann. Deshalb ist ein durchdachtes Anlagendesign entscheidend.
Der wirtschaftliche Mehrwert entsteht vor allem durch eine zusätzliche Einkommensquelle für den Landwirt, den Stromverkauf. Auch wenn die Investitionskosten höher sind als bei klassischen Freiflächenanlagen, können Agri-PV-Projekte, insbesondere im geförderten Umfeld, wirtschaftlich sehr attraktiv sein.
Für viele Betriebe ist ein weiterer Punkt entscheidend. Das Risiko wird auf zwei Standbeine verteilt. Gerade in Zeiten zunehmender Ertragsschwankungen wird das als wichtiger Stabilitätsfaktor wahrgenommen.”
Installation & Betrieb
Wie aufwendig ist die Installation, und wie sehr beeinflussen die PV-Anlagen den täglichen Betrieb auf dem Feld?
Nobis: “Der Planungsaufwand ist höher als bei klassischer Freiflächen-PV, da die landwirtschaftliche Nutzung von Anfang an integriert werden muss. Im laufenden Betrieb ist das Ziel aber klar: Der landwirtschaftliche Alltag soll möglichst uneingeschränkt weiterlaufen.
Fahrgassen, Durchfahrtshöhen, Wenderadien und Bewässerung werden individuell auf den Betrieb abgestimmt. Wenn das System richtig geplant ist können die üblichen Arbeiten, von der Bodenbearbeitung bis zur Ernte, weitgehend wie gewohnt erfolgen.
In der Praxis kommen unterschiedliche Anlagentypen zum Einsatz. Bei einer angestrebten Ackerbewirtschaftung wird meist ein „Tracker-System“ (auch „nachgeführtes System“ genannt) verwendet. Dabei sind die Module beweglich gelagert und folgen dem Sonnenverlauf von West nach Ost. Die Modulreihen sind folglich in Nord-Süd-Richtung angeordnet.
Ein Vorteil dieser Systeme ist, dass die Module so ausgerichtet werden können, dass Maschinen problemlos zwischen den Reihen arbeiten können. Die typischen Reihenabstände liegen bei etwa 9 bis 12 Metern.
Unter den Modulen werden im Regelfall Blühstreifen angelegt, die zur Biodiversität beitragen. Die Konstruktion erfolgt in der Regel über Rammpfählen aus Metall. Dadurch bleiben die Anlagen rückbaubar und der Boden wird geschont, da auf Betonfundamente verzichtet werden kann.”
Umwelt & Klimaschutz
Welche ökologischen Vorteile bietet Agri‑PV konkret für meine Flächen – z. B. Wasserersparnis, Biodiversität oder Schutz vor Hitze?
Nobis: “Agri-PV wirkt sich in mehrfacher Hinsicht positiv auf die Fläche aus.
Durch die Teilbeschattung verbessert sich die Wassernutzungseffizienz deutlich und der Bewässerungsbedarf reduziert sich signifikant. Gleichzeitig entstehen ausgeglichenere Mikroklimabedingungen, die Pflanzen und Tiere vor Hitzespitzen schützen. Durch Blühstreifen, extensivere Nutzung oder angepasste Mahdkonzepte können zusätzliche Lebensräume entstehen. Wichtig ist dabei, dass sich die positiven Effekte nicht automatisch durch die Anlage allein ergeben. Entscheidend ist ein durchdachtes Bewirtschaftungskonzept, das gezielt auf ökologische Mehrwerte ausgerichtet ist.”
Literaturverzeichnis
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