Photovoltaik ist ein zentraler Baustein der Energiewende, aber nicht jede PV-Anlage ist gleich. In Österreich stehen Landwirt:innen, Kommunen und Planer:innen vor der Wahl: klassische Freiflächenanlagen oder Agri‑PV, also die kombinierte Nutzung von Landwirtschaft und Solarstromproduktion. Doch welches Konzept bringt mehr Nutzen – ökologisch und ökonomisch?
Energieertrag und Flächennutzung
Freiflächen-PV-Anlagen liefern oft den höchsten Stromertrag pro Quadratmeter, da sie optimal ausgerichtet sind und keine Verschattung durch Pflanzen entsteht. Agri‑PV produziert in der Regel etwas weniger Strom pro Fläche, weil die Module auf höhere Strukturen montiert werden müssen und teilweise Schatten auf die Paneele fällt. Dafür kann die Fläche weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden, sodass Landwirte zusätzliche Erträge aus Pflanzen oder Tierhaltung erzielen.
Umwelt- und Naturschutz
Agri-PV überzeugt mit mehreren Vorteilen: Teilverschattung schützt die Pflanzen vor Hitze und reduziert den Wasserverbrauch. Unter den Solarmodulen angelegte Blühstreifen schaffen Lebensräume für Insekten und Vögel, fördern die Biodiversität und beugen Bodenerosion vor. Freiflächenanlagen bieten ökologisch sogar noch größere Vorteile: Während bei Agri-PV nur einzelne Blühstreifen entstehen, verwandelt sich die gesamte Fläche einer konventionellen Freiflächen-PV-Anlage in eine blühende Landschaft.
Fazit
Es gibt keinen eindeutigen Gewinner: Beide Konzepte tragen zur CO₂-Reduktion bei. Freiflächen-PV punktet bei Stromertrag und Ökologie, Agri‑PV bietet landwirtschaftliche Vorteile und sorgt für doppelte Flächennutzung. Für Österreich sind beide Strategien sinnvoll: große PV-Felder dort, wo keine Landwirtschaft möglich ist, und Agri‑PV auf produktiven Flächen, um Klima, Natur und Ernährung gleichzeitig zu sichern.
Für Österreich braucht es keine Entweder-oder-Lösung. Freiflächen-PV und Agri PV erfüllen unterschiedliche Aufgaben und ergänzen sich sinnvoll. Während klassische Anlagen maximale Energieerträge liefern, ermöglicht Agri PV eine nachhaltige Energiewende im Einklang mit Landwirtschaft und Umwelt.
Nepomuk Harmer
- BOKU, Projekt PA³C³
- Klimafonds – Begleitforschung Obstbau
